Rennschlittenbahn Fichtelberg

Oberwiesenthal, Deutschland

Beschreibung

Auf dem Fichtelberg, mit 1214m über dem Meeresspiegel höchster Berg Sachsens, wurde ab ca. 1967 eine Rennschlittenbahn gebaut. Die Länge der Bahn betrug ca. 1100m, wobei vom höchsten Startpunkt bis zum Ziel gemessen, diese genau 1087m lang war. Sie besaß 18 Kurven, drei Startpunkte, drei Zeitnahmepunkte mit Lichtschranken-Messung und ein Zielgebäude (ebenso mit Zeitnahme). Das mittlere Gefälle der Bahn lag bei 9%. Die offizielle Eröffnung war im Winter 1969, Teile der Strecke, wurden jedoch schon vorher für Trainings genutzt. Bei der Bahn handelt es sich um eine Naturvereiste Strecke. 1

Der Start lag an der heutigen Fichtelberghütte und ist bis zu dritten Kurve leider fast vollständig abgetragen. Der weitere Verlauf der Bahn ist dann dennoch sehr gut nachzuvollziehen und wird nur gelegentlich durch Abfahrtspisten und andere Wege geschnitten. Während der Startpunkt I für Männer vorgesehen war, folge der Startpunkt II nach der dritten Kurve für Damen. Der Startpunkt III war für Jugendliche vorgesehen und befand sich hinter der Kurve 11. Beide Startpunkte sind noch heute vorhanden. Das Ziel befindet sich vor der letzten Kurve mit der Nummer 18 und ist noch heute existent. Ursprünglich war das Ziel hinter der Kurve 18 angelegt, war dort aber so schlecht einzusehen, dass dieses vorverlegt wurde. Der Abfahrtskanal war zudem komplett beleuchtet und konnte somit auch in den Abendstunden genutzt werden. 1

So gern die Anlage genutzt wurde, so hatte Sie auch Ihre Tücken und Probleme. Im Winter konnte teilweise kein Schlittenbetrieb durchgeführt werden, da die Bahn völlig von Schnee bedeckt wurde und kaum freizubekommen war. Weiterhin gab es keinen Lift, der nach der Abfahrt wieder nach oben führte. So mussten die Sportler Ihre Schlitten zu Fuß durch den Wald wieder nach oben bringen. Bei viel Schnee, konnte man so auch schnell im Wald verloren gehen oder sich verirren. Berüchtigt ist auch die Kurve 15, welche einen falsch berechneten Radius besaß. Hier kam es oft zu Unfällen. Auch spätere Änderungen im Verlauf an den Kurven 14, 15 und 16 konnten diese nicht vollständig entschärfen. Später gab es bereits bei Kurve 13 einen Auslauf. Durch diese Herausforderungen litt die Reputation der Bahn und wurde noch durch einen weiteren Fakt verschärft:  1

Im Eröffnungsjahr 1969 rüstete die BRD Ihre Rodelbahn am Königsee auf künstliche Vereisung um. Dies hat die Vorteile einer Nutzung auch im Sommer sowie einer wesentlich glatteren Bahn, welche daher höhere Geschwindigkeiten zu ließ. Da die vorhandene Bahn nicht ohne weiteres hätte modernisiert werden können und gerade erst fertiggestellt wurde, musste um das Ansehen der DDR zu wahren, eine neue Bahn gebaut werden. Diese entstand in Oberhof und wurde bereits 1971 in Betrieb genommen. Ab 1972 fanden dann auch Wettkämpfe statt. Durch die oben erwähnten Unwägbarkeiten nahm die Geschichte Ihren Lauf und die Bahn auf dem Fichtelberg wurde immer weniger für Internationale Wettkämpfe genutzt und teilweise sogar gemieden. Da auch die Schlitten für Oberhof angepasst wurden, konnten diese nicht mehr ohne weiteres für eine Natureisbahn verwendet werden. Der Zustand der Bahn verschlechterte sich ebenfalls zusehends. 1

Trotz allem wurde die Bahn nicht aufgegeben und immer wieder repariert. Aller vier Jahre fanden noch die Kinder- und Jugendspartakiade statt und Nachwuchssportler konnten hier ebenso trainieren. In den Jahren 1977 und 1982 wurden noch einmal die DDR-Meister in Oberwiesenthal gekürt. Auch fanden regelmäßig Junioren- und Schülermeisterschgaften der DDR statt. 1

Nach der Wende wurde bis 1994 das Gelände noch zum Training mit Rollschlitten genutzt. So konnte auch in den warmen Sommermonaten trainiert werden. Leider wurde auch dies eingestellt, da die Beschaffenheit der Bahn mit Ihrer Fertigteilstruktur und Stößen nicht wirklich dafür geeignet war. Teilweise mussten die Rollschlitten schon nach wenigen Abfahrten technisch überholt werden, was unwirtschaftlich war. Der Betrieb wurde im Laufe des Jahres 1994 dann komplett eingestellt, einiges an Technik wurde demontiert und die Bahn bis zur Kurve Drei abgetragen. Der Rest der Anlage wurde sich selbst überlassen. 1

Übersichtskarte & Stationen

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Startpunkt I: Herren

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Startpunkt II: Damen

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Zeitnahme I

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Transformatorenstation

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Startpunkt III: Jugend

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Zeitnahme II

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Zeitnahme III

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Ziel

Kommentar

Ein schönes Stück Zeitgeschichte. Voll begehbar und noch gut erhalten. Man kann sich noch gut vorstellen, wie die Trainings und Wettkämpfe hier verlaufen sind. Viele Persönlichkeiten und spätere Weltmeister waren hier zu Gast. Sogar Sigmund Jähn war bei einer Abfahrt mit dabei.

Bei Gelegenheit bietet sich eine Skateboard Fahrt nach unten an. Oder im Winter direkt gleich mit dem Schlitten? Der Ort täte gut daran, die Bahn frei zu schneiden und touristisch einfach mit zu nutzen. Wo kann man schon privat Rennschlitten fahren oder zumindest das „feeling“ erleben.

Ich freue mich auf deine  Kommentare zum Thema.

Video

Passend zur Rennschlittenbahn gibt es nun ein winterliches Video über diese. Komm mit auf die Tour und schau es dir an. Leider sind die ersten drei Minuten etwas unscharf aber es lohnt sich trotzdem. Video ist vorübergehend entfernt (muss ich noch neu hochladen).

 Bei Abruf gilt die Datenschutzerklärung von Google bzw. Youtube für dieses Video.

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1. Ehemaliges Mitglied SC Traktor Oberwiesenthal (Offline)