Konzert- und Ballhaus Marmorpalast

Altendorf, Chemnitz, Deutschland

Beitragsbild

Beschreibung

Der Vorgänger des Marmorpalastes war der Deutsche Hof, welcher 1869 errichtet wurde. Dieser war ein Gasthaus mit einer 30m langen Kegelbahn. Besitzer war der Architekt Karl Zeh. 1

1878 wurde der Hof an Bruno Lorenz veräußert. Dieser ließ 1885 ein Orchester einbauen. Zwei Jahre später wurde neben dem Hof eine Turnhalle errichtet. 21 Jahre nach Kauf wurde der Deutsche Hof um 1899 erneut veräußert. Es folgten umfangreiche Baumaßnahmen mit Elementen aus der Gründerzeit. So war nun ein Ballsaal für bis zu 3000 Besucher, ein Gesellschaftssaal für 400 Personen sowie ein Vereinssaal für 100 Gäste vorhanden. Auch wurde eine zweite Kegelbahn installiert und der Außenbereich mit einem Konzertgarten, Parkmöglichkeiten und einer Grünanlage mit Spielplatz erweitert. Das Ball- und Konzerthaus „Marmorpalast“ war geboren. Eigentümer war nun der Musikdirektor Friedrich Lippold. 1

Ab 1920 wurde Ernst Böhm als Geschäftsführer ins Handelsregister eingetragen. Es folgten einige nicht näher beschriebene bauliche Änderungen. Doch der Palast war inzwischen zur einem der beliebtesten Orte in Chemnitz herangewachsen. 1925 hielt Joseph Goebbels eine Rede im Marmorpalast. Hier kam es zu auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten bei der am Ende ein Toter und 73 Verletzte Menschen zu beklagen waren. Zwei Jahre später, am 16. November 1927, sollte dann Adolf Hitler an die selbe Stelle zu einer Rede treten. 1

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Marmorpalast Zweckentfremdet und diente als Unterkunft für ausländische Zwangsarbeiter und später als Lazarett für die Wehrmacht. 1

Mit Ende des Krieges 1945 wurde Emma Böhm die Inhaberin des einstigen Palastes. Ihr folgte später Ihre Tochter Ilse Winkler. Nach Auflösung des Lazaretts sollte das Gelände als Spielstätte der Städtischen Theater genutzt werden. So wurde das Ballhaus mit knappen Mitteln zum Musiktheater umgebaut. Am 29. Oktober hob sich der erste Vorhang. 1

Nach Wiederherrichtung des Opernhauses am 8. März 1950, wurde der Marmorpalast in Operettenhaus umbenannt. Und der einstige Glanz verschwand langsam von der Bühne. So musste 1952 der kleine Saal wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Die Stadt schoss 100.000 Mark der DDR zur Instandhaltung dazu. 1

Im laufe der Jahre fanden einige Veranstaltungen statt. So wurde am 1952 eine Tagung der FDJ abgehalten, der auch der spätere Staatsratsvorsitzende der DDR Erich Honecker bewohnte. Ab 1954 folgten Gastspiele der Dresdner Philharmonie und viele weitere Tanz- und Unterhaltungsveranstaltungen. 1

Ab 1958 wurde das Haus in Volkseigentum überführt und der alte Name Marmorpalast kam zurück. Am 20. August 1959 eröffnete eine HO-Gaststätte sowie eine HO-Verkaufsstelle. Der Saal wurde jedoch 1963 geschlossen. Die letzte Aufführung fand am  4. Juli 1963 statt. Danach zog die Operette in den Kulturpalast . Der Marmorpalast wurde zum Probenhaus und beherbergte seit dem die Probesäle für Ballett- und Musiktheater, sowie die Werbe- und Fotoabteilung sowie ein Spielutensilienlager. Die Gaststätte nannte man ab 1967 „Slavia“ und wurde ein Tschechiches Nationalitätenrestaurant bis sie 1987 schloss. 1

Am 12. Mai 1996 fand die Abschiedsvorstellung der Städtischen Theater statt, denn der ehemalige Marmorpalast wurde durch neue Probenräume an einem anderen Standort ersetzt. Das Haus sollte nun für immer schließen. Erst 2009 wurde ein Käufer bei einer Aktion in Dresden gefunden und wechselte für 21.000 Euro in Privatbesitz. Der Zahn der Zeit hatte jedoch schon stark am Gebäude genagt, sodass dieses laut Schätzung nur noch einen Wert von 43.000 Euro hatte. Auch nach dem Kauf tat sich am Gebäude nichts. 1

2013 stürzte schließlich ein Teil des Daches ein. Nachdem die Statt das Gelände nebst Gebäude 2011 bereits sichern musste. Nach einem verfügten Teilabriss wurde das Gebäude schließlich am 06.07.2014 vollständig abgerissen. Der Name Marmorpalast ist erneut verloren. 2

Meinung

Den Marmorpalast habe ich schon vor einem Jahrzehnt besucht. Gerade die Decke des Saals hatte mich sehr beeindruckt. An Ihr konnte man noch den einstigen Glanz erkennen. Schade, dass es auch hier keine Rettung mehr gab und ein weiteres Objekt ein Ende gefunden hat.

Ich freue mich auf Ergänzungen und Kommentare  zum Thema.

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