Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt Domjüch

Neustrelitz, Deutschland

Beschreibung

Die Landesirrenanstalt an ihrem jetzigen Standort existiert seit dem 1. März 1899. Doch ihre Geschichte sollte schon früher, um 1805, -in- oder besser -mit- einem Gefängnis beginnen. Dieses wurde als Landarbeits-, Zucht- und Irrenhaus in Altstrelitz gebaut. An seiner Stelle befand sich vorher das Residenzschloss von Strelitz, welches aber 1712 abbrannte. Der Wechsel von einem Schloss zu einer Haftanstalt ist schon interessant und ereignete sich bei so einigen Herrensitzen und Schlössern in der Vergangenheit, hier wurde jedoch von Grund auf neu gebaut.
Damals war es noch üblich, dass Verbrecher mit psychisch Kranken gleichgestellt waren. Die genauen Umstände aufgrund der Psyche als Wirkung auf Taten, waren nicht bekannt oder wenigstens schlecht erforscht. So führte dies immer wieder zu Reibereien und Problemen, die durch permanente Überbelegung des Ortes noch verschärft wurden. Erst 1896 wurde eine Untersuchungskommission eingesetzt. Diese schlug den Bau einer neuen Irrenanstalt vor um die verschiedenen Gruppen trennen zu können.
Nach einigen Hin- und Her, wie auch heute, begann der Bau der Irrenanstalt am 1. März 1899. Als Gelände wurde eine Fläche am Domjüchsee auserkoren. Die Gebäude wurden im üblichen Villen- bzw. Pavillonstil errichtet. Auf hohe Mauern, Gitter wurde verzichtet. Die Fenster beispielsweise bestehen aus dicken, bruchresistenten Glas. Die Anstalt hatte eine eigene Kapelle und einen eigenen Friedhof. Zwischen den Gebäuden erstrecken sich lange unterirdische Versorgungsgänge. Die Entwürfe der Gebäude stammten von Baumeister Otto Witzeck, der 1895 ins Bauamt der Großherzoglichen Landesregierung berufen worden war. Die umgebenden Felder, Gärten und Parkanlagen wurden von Ökonomierat Schulz aus Neubrandenburg geplant und  ermöglichten die Selbstversorgung der Kranken. Die Fertigstellung fand 1902 statt. 1

Flickzimmer - BeschäftigungstherapieAm 22. August 1902 zogen 70 Frauen und 60 Männer in die „Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt“ um. Leiter der Anstalt wurde Dr. med. Carl Serger, welcher sich bereits 1896 für den Neubau eingesetzt und zudem einige Neuerungen bei der Behandlung von physisch Kranken in der Vergangenheit angewandt hatte. Dr. Serger erhielt später noch das Ritterkreuz des Greifenordens, welches von Großherzog Adolf Friedrich dem Fünften, verliehen wurde. Leider endete Dr. Sergers Werdegang am 18. Oktober 1913, als er vermutlich Selbstmord begann. Man fand ihn tot im Domjüchsee. Als Hintergrund wird eine Affäre mit einer Oberschwester vermutet. Derartiges Verhalten konnte zur damaligen Zeit nicht geduldet werden. Vielleicht etwas, was auch für heute gelten sollte? Die Oberschwester nahm sich wenig später (ebenso) das Leben. Dr. Serger wurde auf dem Anstaltseigenen Friedhof beerdigt. Sein Nachfolger wurde Dr. med. Hermann Starke. 1

Zu Zeiten des Ersten Weltkrieges um 1918 wurde die Anstalt in ein Landeskrankenhaus gewandelt, jedoch fanden sich immer weniger Patienten in diesem wieder. Daher wurden freie Räume zu einem Landessäuglings- und Landeskinderheim umgenutzt. Das Säuglingsheim wurde jedoch 1927 wieder aufgelöst und ein Jahr später folgte dann das Kinderheim. 1

Zum 1. Januar 1934 wurden die bis dahin selbstständigen Länder Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin zum Land Mecklenburg vereinigt. Das Krankenhaus wurde nun als Heil- und Pflegeanstalt bezeichnet und dem Schweriner Ministerium zugeordnet. Als Dr. Starke am 1. Februar 1935 in Pension gegangen war, leitete ein Arzt aus der Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg die Einrichtung am Domjüch bis Ende 1944. 1

Zm bereits Zweiten Weltkrieg, den die Gemäuer am Domjüchsee nun miterleben mussten, kam es zu Verlegungen aus der Heil- und Pflegeanstalt Gehlsheim am 30. September 1939. Die Wehrmacht hatte sich dort einquartiert und die bisherigen Patienten mussten an den Domjüchsee weichen. Von hier aus fanden wiederum unregelmäßig Verlegungen in die Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg statt.
Ab 1940 wurde nicht nur verlegt sondern systematisch in die NS-Tötungsanstalt Bernburg abgeschoben und vergast. Die sogenannte Aktion T4 wurde aktiv, welche die Vernichtung lebensunwerten Lebens vorsah. Dies galt nicht nur für psychisch kranke Menschen, sondern auch Behinderten, Homosexuellen, Roma und Sinti. Durch diese angeordneten Maßnahmen, wurden viele Teile der Anstalt nicht mehr oder nur kurzzeitig belegt.
Ab 1943 wurde die Anstalt als Tuberkuloseheilstätte umfunktioniert. Die noch verbliebenen psychisch Kranken wurden in die Heil- und Pflegeanstalten Gehlsheim und Sachsenberg oder in die Heil und Pflegeanstalt Stettin verlegt. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Gelände von Truppen der Roten Armee besetzt. 1

Vn 1945 bis 1993 wurde das Gelände der ehemaligen Heil-und Pflegeanstalt Domjüch von der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland militärisch genutzt und konnte nicht mehr betreten werden. Für die dort stationierten Truppen des 66. Garde Fla Raketenregiments wurden drei Kasernen im  typischen Plattenbau-Stil gebaut. Die acht Anstaltsgebäude blieben bestehen. Die Kasernen standen seit Abzug der Truppen im Jahr 1993 leer und wurden auf Initiative der Stadt Neustrelitz abgerissen und durch Solaranlagen ersetzt. 1

Bis 2009 wurde für das Gelände viel geplant und versprochen. Ein Familienpark sollte entstehen und später stattdessen Ferienhäuser und ein Campingplatz. Nichts wurde verwirklicht und die Substanz litt durch Leerstand und Witterung. Am 11. November 2009 erwarb schließlich das Ingenieurbüro Strelitz das Gelände.
Am 15. Januar 2010 wurde der Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V. gegründet. Vereinsmitglieder, Neustrelitzer, Firmen der Region, Verwaltungen und die Denkmalpflege räumten unter anderem auf, machten Gesichte greifbar, dichteten Dächer, sanierten die Kapelle und legten Wege an. Seit der Wiedereröffnung der nunmehr sanierten Kapelle am 27. Mai 2011, macht der Verein zumeist  sonntags das Gelände für Besucher zugänglich. Vereinsmitglieder bieten zudem  Ausstellungen und Führungen an. Das Gelände kann nach Absprache auch ohne Führung weitestgehend erkunden werden. 1

Kommentar

Ein schöner Ort: Idyllisch gelegen am See. Nette Menschen zum kennenlernen aber trotzdem die Möglichkeit, allein loszuziehen und unter sich zu sein. Das schöne spätsommerliche Wetter passte zum Zeitpunkt auch, ebenso wie die Ruhe bzw. Stille, die alles umgab. Durch Christel haben wir viel erfahren können und konnten gut hinter die Kulissen blicken. Unser Schreibblock war voll nach Ihren Ausführungen. Wir werden sicher wiederkommen und schauen, wie es dem Ort und den Mensch dort ergangen ist. Bis dahin, gutes Gelingen.

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