VEB Kulturpark Plänterwald – Spreepark GmbH

Berlin, Deutschland

Beitragsbild

Beschreibung

Postkarte

Eingelesene Postkarte von 1974 – Digital bearbeitet

Der Kulturpark Plänterwald in Berlin, öffnete anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der DDR am 4. Oktober 1969 erstmalig seine Pforten. Das Areal mit einer Fläche von 29,5 Hektar war der einzige ständige Vergnügungspark der Deutschen Demokratischen Republik. Der VEB Kulturpark Berlin war in seiner  Gestaltung aber einfacher gehalten als man dies heute kennt. Vielmehr ähnelte der Park einem Volksfestgelände oder einer Kirmes. Ein Großteil des Geländes war asphaltiert worden. Auf diesem standen dann diverse Fahrgeschäfte und Buden welche auch einzeln bezahlt werden mussten. Dennoch hatte das Areal begrünte Flächen, welche im Park verteilt waren. Feste Gebäude waren als Funktionsgebäude und Restaurants vorhanden. Aber auch das Riesenrad mit zunächst 36 Gondeln war fest installiert. Der Park wurde jährlich von bis zu 1,7 Millionen Menschen besucht. Zum 40. Jahrestag der DDR, wurde das Riesenrad noch erneuert und auf 40 Gondeln erweitert. Dadurch wurde es auch 5 Meter höher als in der ursprünglichen Version. Es sollte die letzte Investition der DDR sein. 1,2,3

Mit der Wende und der zahlreichen Abwicklung Ostdeutscher Betriebe, wurde das Gelände an die Spreepark Berlin GmbH des Schaustellers Norbert Witte zugeschlagen. Dieser hatte bereits 1990 zwei Fahrgeschäfte im Kulturpark gemietet. Der Kulturpark wurde stark umgestaltet und näherte sich dem, was man heute von Vergnügungsparks kennt (siehe interaktive Karte unten (Stand: 1995)). So zogen einige Attraktionen des Parks Mirapolis bei Paris nach Berlin um, da dieser geschlossen wurde. Die asphaltierte Fläche um das Riesenrad wurde entfernt und eine Wasserlandschaft installiert. Auch gab es nun Achterbahnen, Wildwasserbahnen, Showbühne und ein Westerndorf. Der Park wurde auch thematisch und grüner als vormals gestaltet. Von der vormaligen Zahlung für jede einzelne Attraktion rückte man ab und man verlangte nun einen einmaligen Eintrittspreis pro Besuch für den Park. Der Park lief gut an und wurde zwischenzeitlich wieder von 1,5 Millionen Menschen besucht. 1,2,3

Zur anstehenden Jahrtausendwende 1999 hatte sich der Park verschuldet. Ein Bürgschaft der Stadt Berlin von 1997 konnte dies nicht verhindern. Als Gründe wurden die mehrmals erhöhten Eintrittspreise und die schlechte Verfügbarkeit von Parkplätzen angeführt. Im Jahr 2000 fanden nur noch ungefähr 400.000 Besucher den Weg in den Park. 2001 melde die Spreepark GmbH & Co. KG schließlich Insolvenz an und der Park wurde geschlossen. 1,2,3

Norbert Witte setzte sich am 18. Januar 2002 mit seiner Familie und engsten Mitarbeitern nach Peru ab. Dort wollte er den Freizeitpark „Lunapark“ im peruanischen Lima betreiben. Dazu ließ er Sechs Fahrgeschäfte in Berlin abbauen und verschiffte diese nach Peru. So verließen der Baby-Flug13, Butterfly11, Fliegender-Teppich10, Fun-Express6, Spider12 und Jet Star32 in 20 Schiffscontainern das Land (Zahlenangabe = Position auf der Karte unten). Er hinterließ den Spreepark mit einer Schuldenlast von 11 Millionen Euro. –  Auch der Lunapark ging in später in Konkurs. Am 19. Mai 2004 wurde Norbert Witte zu einer siebenjährigen Haftstrafe in Deutschland verurteilt, da dieser 167 kg Kokain im Mast des „Fliegenden Teppichs“ versteckt hatte, als er das Fahrgeschäft wieder zurück bringen wollte. Sein Sohn wurde in Peru zu 20 Jahren Haft ebenfalls wegen Drogenschmuggels verurteilt. Der ehemalige Kulturpark rottete derweilen vor sich hin, wenngleich es rund um die Uhr bewacht wurde. 2006 war noch immer keine Nachfolge am Park erkennbar. Die Deutsche Bank als Hauptgläubiger, setzte das Insolvenzverfahren weiter durch. 1,2,3

Ab Anfang August 2009 wurde vom Berliner Christopher Flade eine Möglichkeit geschaffen, den Spreepark am Wochenende zu besichtigen. Er bot zweistündige Führungen an und sammelte Bilder und Fakten zum Park auf einer eigenes eingerichteten Webseite (Externer Link). Ab April 2011 wurde zudem das Café Mythos eröffnet. Die Einnahmen kamen dem Park zu Gute und wurden in die noch vorhandenen Fahrgeschäfte gesteckt. So fuhr 2011 erstmals wieder die Parkeisenbahn24 um das Gelände und im Sommer drehten sich sogar wieder ein Karussell. Anfang Juli 2013 wurde ein Termin für eine Zwangsversteigerung des Spreeparks angesetzt. Ein privater Investor bot 2,5 Millionen Euro, jedoch wurde die Versteigerung von Finanzsenator Ulrich Nußbaum abgesagt. Die Führungen wurden indes bis April 2014 in loser Folge fortgesetzt. Im August 2014 kam es zu einem Großfeuer im ehemaligen Vergnügungspark. So wurde die 1999 installierte Kulisse „Alt-England“(bei 31) vollständig zerstört. Die vier Täter konnten bereits am nächsten Tag gefasst werden. 2017 wird auf dem Gelände zwischen dem Spreeblitz22 und den Dinosauriern28 das Gift Arsen im Boden entdeckt und bis 2019 beseitigt. 1,2,3,4,5

Im Februar 2014 wurde das Erbbaurecht von der Spreepark GmbH durch das Land Berlin erworben und am 1. Januar 2016 an die landeseigene Grün Berlin GmbH übergeben. Ziel ist es, einen umweltverträglichen und touristisch attraktiven Kultur- und Freizeitpark zu entwickeln. Die Anlage soll jedoch kein reiner Freizeitpark mehr werden. Im Herbst 2020 begannen erste Arbeiten. So wurde das Riesenrad30 abgebaut und zur Restauration an eine Fachfirma übergeben. Es soll nach aktuellen Sachstand 2024 wieder aufgebaut werden. Die ehemalige Achterbahn Spreeblitz22 mit dem markanten Portal soll als begehbarer Pfad am Leben bleiben. Auch die Dinosaurier28 wurden in die Planungen mit einbezogen. 1

Der Kunst- und Kulturpark soll im Jahr 2026 eröffnet werden.

Update 10.10.2011: Neue Fotos, Text und Karte ergänzt bzw. geändert 2,3.
Update 01.02.2018: Texte ergänzt (Arsen-Fund4, Großfeuer5).
Update 17. Februar 2021: Texte ergänzt (Planungen des neuen Parks1).

Übersichtskarte

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Übersichtskarte
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Eingang

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Kleine Wasserbahn

„Wild River“

Ab 2001: Fahrgeschäft „Flic-Flac“

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Cinema

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Brummel

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Rollover

„Jill“

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Fun Express

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Mega Looping

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Miniscooter

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Las Vegas Country

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Fliegender Teppich

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Butterfly – Der Schmetterlingsflug

12

Spider – Die Riesenspinne

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Baby-Flug

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Walzerfahrt

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Riesentassen

„Roting-Cup“

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Wildwasserbahn

„Grand Canyon“

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Alterberliner

Oldtimerfahrt

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Clown-Show

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Reitbahn

„Kentucky-Ride“

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Monte Carlo Drive

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Bummi

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Spreeblitz

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Baldachinfahrt

„Canale Grande“

24

Eisenbahn

„Santa Fé – Express“

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Große Schiffschaukel

„Pirat“

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Chapeau Claque

„Die fahrenden Riesenhüte“

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Schwanen-Fahrt

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Dinosaurier-Erde

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Minitruck-Fahrt

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Riesenrad

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Piccadilly Circus

Chapiteau

Ghost-House

Spiegelkabinett

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Bob-Bahn

„Jet Star“

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Riesenrutsche

„Wellen-Tal“

Kommentar

KommentarbildBereits 2010 war ich hier und hatte das Gelände von Außen abgelichtet. Eine legale Besichtigung war damals nicht möglich.

Ein Jahr später konnte ich dann doch eine spannende Führung auf dem Gelände erleben. Das gute war, es kam aus erster Hand. Durch einen Krankheitsfall, hatte sich die Tochter des ehemaligen Betreibers, Sabrina Witte bereiterklärt, die geplante Tour zu übernehmen. Welch ein Glücksgriff! So erfuhren wir einiges über den Park. Geschichten aus Ihrem Leben. Ja sogar der Santa-Fé-Express nahm uns auf eine Rundfahrt mit.

Und so ist uns die Katze des ehemaligen Spreeblitzes in guter Erinnerung geblieben, … wie auch der ganze Park.

Update 2021: Es wird einen neuen Kulturpark geben. Ist es denn zu fassen? Es wird zwar nicht mehr ein reiner Vergnügungspark werden, aber endlich tut sich wieder etwas konkretes. Man darf gespannt sein, was die Stadt Berlin als neue Eignerin des Parks auf die Beine stellt. Sogar das Riesenrad soll restauriert werden. Ich bin gespannt! Ich freue mich auf deine  Kommentare zum Thema.

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1. Wikipedia – 2. Berliner-Spreepark – 3. Führung vor Ort – 4. BZ-Berlin – 5. Tagesspiegel

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