Kulturpalast der S(D)AG Wismut Karl-Marx-Stadt

Chemnitz, Deutschland

Beschreibung

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Generalmajor Michail Mitrofanowitsch Malzev aus Moskau den Befehl, einen Kulturpalast in Karl-Marx-Stadt zu errichten. Der Generalmajor war der Direktor der Sowjetischen Aktiengesellschaft Wismut (SAG), welche im Uranbergbau tätig war. Fertigstellung sollte gegen Ende des Jahres sein. Das Material kam aus der Sowjetunion. Als Ort wurde der Stadtteil Rabenstein auserkoren, da vermutlich die verkehrliche Anbindung besser war, als in der von Bomben zerstörten Innenstadt von Karl-Marx-Stadt. 1,3,5

Errichtet wurde der Palast von den zu einem großen Teil von heute namenlosen Frauen erbaut, denn von den Männer waren noch viele in Kriegsgefangenschaft oder schufteten schon unter Tage für die Wismut. Die Architekten des Palastes waren Kurt Ritter, Adam Burger und Joachim Rackwitz. Zur Finanzierung der Bauten, zog man die Bergleute mit heran. Auf Schächten und in den Betrieben wurden unbezahlte Sonderschichten gefahren. Nicht unbeträchtlich war der Anteil, den die Bergleute durch Eigenleistungen erbrachten. So wurde der Bau unter hohem Kraftaufwand bereits am 19.04.1950 fertigstellt. Der Kulturpalast wurde  am 14.01.1951 durch den damaligen Ministerpräsidenten der DDR Otto Grotewohl eingeweiht und an die Arbeiter übergeben. 3,5

Die außerordentlich kostspielige Gestaltung konnte sich sehen lassen. Durchschritt man einen der fünf Eingänge, welcher von Sechs Säulen eingerahmt wurde und ging durch die Gläsernen Windfänge, so fand man sich im mamorgetäfelten Foyer wieder. Von dort aus erreichte man über marmorierte Treppen mit Roten Teppich und Handläufen des bekannten Künstlers Fritz Kühn das Vestibül. Von dort aus betrat man den Rosettensaal. Der Saal, welcher dem Namen dank einer in Parkettboden eingearbeiteten Rosette erhielt, bestach durch eine von sechs Säulen getragenen Kassettendecke, welche umrahmt von Spiegeln und Lichtinstallationen an eine aufstrebende Nation erinnern sollte. Der Saal wurde hauptsächlich für Tanzveranstaltungen genutzt. Auf der anderen Seite des Vestibüls befand sich der 900 Besucher fassende Zuschauerraum für die Theater- und Opernaufführungen. Im Erdgeschoss gab es neben den Graderoben noch eine Bibliothek, ein Billard und ein Kinderspielzimmer. Auch ein Restaurant war im Palast vorhanden. 3,5

Wenig im Zusammenhang genannt, sind die Parkanlagen mit Wasserspielen, Pergolen und Pavillons sowie das „Haus für Körperkultur“ mit Schwimm- und Sporthalle welches ebenfalls neu entstand. Zwischen den beiden Gebäuden wurde ein beleuchteter Springbrunnen installiert. Leider wurde auf die Bevölkerung kaum Rücksicht genommen und das Gelände um den Park und Kulturpalast auch durch Enteignungen gewonnen. Viele Bewohner mussten auch Ihrer Häuser verlassen, um sowjetischen Offizieren mit Ihren Familien, Platz zu bieten. 3

Nach der Eröffnung, war der Kulturpalast vorerst nur für Angestellten der Wismut vorgesehen. Als Ende 1953 diese auch in Deutschen Teilhaberschaft überging und zur Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut wurde, öffnete sich der Kulturpalast auch für die Öffentlichkeit. Künftig wurden Veranstaltungen, Opern und Theateraufführungen für jedermann dargeboten. Am 1. Mai 1953 begann somit das hauptberufliche „Volkskunstensemble der IG Wismut“ mit den ersten Proben im Kulturpalast. Das Haus erfreute sich großer Beliebtheit und so fanden hier unter anderem auch Auftritte westlicher Künstler statt. 3,5

Karte

Übersichtskarte – Kartenmaterial: Apple Maps – Bearbeitet

Der Unterhalt war jedoch sehr kostspielig und als das Objekt am 1964 in Besitz der Stadt überging, stellte es diese vor ein großes Problem. Im Mai 1968 fand die letzte öffentliche Veranstaltung statt, denn das Gebäude wurde darauf an die Deutsche Post übergeben. Man mag vermuten, dass die weitere Finanzierung des Objektes nicht einfach war, zudem wollte die Stadt schon längst den Bau einer Stadthalle im Zentrum beginnen. 3

Fortan war der Kulturpalast erneut nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich und sollte zukünftig vom Fernsehen der DDR genutzt werden. Dieses ließ zusätzliche Gebäude errichten in der unmittelbaren Umgebung errichten. Darunter Werkstätten für Bühnenbildner, Schlosser, und Elektriker und eine notwendige Trafo-Station. Im Kulturpalast blieb kein Stein auf dem anderen und es ist bis heute nicht nachvollziehbar, wie man derart mit dem kostbaren Inventar umgehen konnte. So wurde der Zuschauersaal komplett entkernt und zum Fernsehstudio umgebaut. Das Foyer wurde zur Kantine umgestaltet. Ansonsten entstanden, Büros sowie Maskenbildner- und Konstümabteilungen. Die nicht mehr benötigte Einrichtung wurde einfach entsorgt. 3,5

Fast zwanzig Jahre lang, wurden von nun an Fernsehsendungen produziert. Unter anderem entstanden hier die Quizsendung „Schätzen Sie mal“ oder oder die Sendung “Spiel Spaß” sowie viele Silvester- und Galaproduktionen. Nach der Wende ging der Kulturpalast in den Nachfolgesender dem Mitteldeutschen Rundfunk über. Dieser nutzte den Palast weitere 10 Jahre für Sendungen. 1997 wurde das Gebäude in die Denkmalliste des sächsischen Landesamtes für Denkmalschutz eingetragen. 3,5

Im Jahr 2000 zog der MDR in das City-Hochaus in Leipzig um. Der neue Bau, welcher wohl mit 155,40m eines der höchsten Gebäude in Leipzig ist, bot bessere Möglichkeiten bei der Produktion und hatte zudem ausreichend Platz zu bieten. Noch im selben Jahr wurde der Kulturpalast jeweils hälftig an die Reichel Immobilien-Verwaltungs-GmbH und eine Privatperson verkauft. Bereits ein Jahr später, ging das Objekt an die Nitzsche & Weiß Immobilien GmbH. Das Gebäude sollte fortan als Pflegeheim genutzt werden. Auf dem Grundstück sollten zudem die Nebengebäude abgerissen und durch Eigenheime ersetzt werden. Doch das Vorhaben scheiterte durch die Insolvenz der Besitzer. Die Fiesta del Parque OHG nutzte das Gebäude vorübergehend als Diskothek, während die Volksbank Mittweida einen Investor für die Immobilie suchte. Der Betrieb wurde jedoch Anfang 2008 eingestellt, als die Strom- und Wasserverbindungen des Objektes gekappt wurden. Im selben Jahr erwarb die SLC GmbH die Liegenschaft und wollte diese abreissen lassen, welches jedoch von der Denkmalbehörde untersagt wurde. 3,5

Im Jahr 2018 kaufte die Leipziger GRK-Gruppe das Objekt. Es ist geplant 64 Wohnungen auf einer Fläche von etwa 5700 Quadratmetern im Objekt einzurichten. Fertigstellung soll 2023 sein. 2

Das „Haus für Körperkultur“, welches im Gegensatz zum Kulturpalast öffentlich zu nutzen war, wurde nach der Übergabe an die Stadt als „Sport- und Freizeitcenter Siegmar“ weiter betrieben, obwohl es auf Rabensteiner Grund stand. Auch nach der Wende blieb es im Besitz der Stadt und wurde noch bis in Jahr 2002 weiter betrieben. Bis dahin blieben aber immer mehr Besucher aus, da in die Anlage kaum investiert wurde. Das Bad wurde verkauft, jedoch ließ der vermeintliche Investor das Bad weiter verkommen. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude als Trödelladen genutzt. 3

Seit 2017 wird das ehemalige Bad zur Wohnanlage umgebaut. 4

 Update 16. Feburar 2021: Texte ergänzt. Neue Quellen angefügt.

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