Königlich Sächsische Gefangenenanstalt – MfS Untersuchungshaftanstalt

Chemnitz (Karl-Marx-Stadt), Deutschland

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Beschreibung

Ihren Anfang hatte die Königlich Sächsische Gefangenenanstalt 1876, als das Königreich Sachsen einen neuen Justizkomplex auf dem Kaßberg in Chemnitz errichten ließ. Die Anstalt bestand aus einem Mittelbau, der Rotunde, von welchem sich die Verwaltung sowie die drei Zellentrakte A-C in Form eines Kreuzes anschlossen. In dieser Funktion überdauerte es die Zeit bis 1933. 1

Ab 1933 wurde es als erweitertes Untersuchungs- und Strafgefängnis genutzt und 1936 in Untersuchungsgefängnis Chemnitz umbenannt. Die Nationalsozialisten ließen zahllose Menschen inhaftieren. Darunter waren vor allem politische Häftlinge, Kommunisten, Sozialdemokraten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle und andere als damals asozial eingestufte Menschen. Sie alle wurden in den 184 Zellen des Komplexes untergebracht, welcher 1938 um den Block D erweitertet wurde. Meistens war das Gefängnis jedoch nur der Anfang, viele wurden später in Konzentrationslager oder Tötungsanstalten des Reiches verbracht. 1

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gefängnis vom Sowjetischen Geheimdienst NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) und dem Sowjetischen Ministerium für Staatssicherheit (MGB) übernommen. Nun wurden Nationalsozialistische Kriegsverbrecher, aber auch auch wieder politische Gefangene hier festgehalten. Nicht selten fanden sich drunter auch unschuldige, die Opfer von politische Willkür oder Denunziation wurden. Auch wurden zahlreiche Jugendliche eingesperrt, welche dem Verdacht der Zugehörigkeit zur Nationalsozialistischen Organisation Werwolf unterlegen waren. Später folgten noch angebliche Spione und Saboteure aus den Kreisen der Sowjetischen Aktiengesellschaft Wismut, welche in rechtswidrigen Schnellverfahren von Sowjetischen Militärtribunalen zu Haft- und Todesstrafen verurteilt und später von Kaßberg aus nach Bautzen, Mühlberg oder ins Moskauer Butyrka-Gefängnis verbracht wurden. 1

Im Jahr 1952 wurde das Gefängnis schließlich an die Deutsche Demokratische Republik übergeben. Diese nutzte es als Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (Block A-C). Ach das Ministerium des Inneren nutzen den das Gefängnis (Block D). Wieder wurden politisch verfolgte Inhaftiert. Kritiker der Sozialdemokratischen Einheitspartei Deutschland (SED) wurden genau so weggesperrt, wie Menschen, welche erfolglos versuchten, aus der DDR zu flüchten. 1

Mit der Zeit wurde der Komplex die größte von den 17 Untersuchungshaftanstalten und wurde am 1960 zur Drehscheibe des Deutsch-Deutschen Häftlingsfreikaufs. Zwischen 1963 und 1989 wurden mehr als 33.000 politische Häftlinge aus den Gefängnissen der DDR freigekauft. Alle waren auf Ihrem Weg in die Bundesrepublik als Zwischenstation im Block B auf dem Kaßberg untergebracht. Teilweise mussten Sie hier mehrere Wochen verbringen, bis sie schließlich mit einem Sammeltransport zum Innerdeutschen Grenzübergang und von dort in das Notaufnahmelager nach Gießen gebracht wurden. 1

Kurz vor der Wende 1989 waren hier noch 329 Häftlinge in 163 Zellen eingesperrt. Täglich waren Sie einem System aus Repressionen, Schlafmangel und schlichtweg Angst und Unwissenheit ausgesetzt. Wieder hatte ein Unrecht das andere Unrecht ersetzt. 1

Nach der Wende übernahm der Freistaat Sachsen das Gefängnis und betrieb es nach einer umfangreichen Modernisierung als Justizvollzugsanstalt Chemnitz weiter. Der Betrieb wurde 2010 eingestellt. 1

Engagierte Bürgerinnen und Bürger gründeten im November 2011 den Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis e.V. welcher sich mit Unterstützung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten dafür einsetzt, in würdiger Weise am historisch authentischen Ort an das Leid all jener zu erinnern, denen auf dem Kaßberg unter den nationalsozialistischen Gewaltherrschern sowie in den Jahren der kommunistischen Diktatur größtes Unrecht widerfahren ist. 1

Seit Ende 2018 laufen Abrissmaßnahmen. So wurde der Block A abgerissen um den Neubau von Wohnungen zu ermöglichen. Ein Teil des Geländes, soll aber für die Vereinsarbeit erhalten bleiben. 1

Meinung

Durch ein Mitglied des Vereins hatte ich die Möglichkeit, dass Gefängnis in Ruhe zu erkunden und Fotos zu schießen. An dem Tag gab sich die Sonne alle Mühe, dass Gefängnis so freundlich wie möglich aussehen zu lassen. Spätestens aber im Raum mit der Strichliste konnte man erahnen, wie es einst hier zugegangen war. Ständige Angst, vor Verhören, Folter?, Mitten in der Nacht unsanft „geweckt“ zu werden für weitere Verhöre. Auch die Ungewissheit, was mit einem passiert… ich wäre Wahnsinnig geworden.

Ich kann nur danke an Chris vom Verein sagen. Zu schnell wird vergessen, was andere erleiden mussten. Hier vergisst man es tatsächlich nicht mehr so schnell.

Ich freue mich auf Ergänzungen und Kommentare  zum Thema.

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