VEB Kernkraftwerk Stendal

Niedergörne, Deutschland

Beschreibung

Bereits 1970 wurde beschlossen, einen drittes Kernkraftwerk in der DDR zu bauen. Vorausgegangen waren dem geplanten Kernkraftwerk Stendal, die Werke in Rheinsberg und Greifswald. Es sollten vier Blöcke in Containmentbauweise mit jeweils einem Gigawatt Leistung entstehen. Allerdings war hier mit deutlichen Lieferschwierigkeiten zu rechnen, weswegen ab 1973 mit den bekannten WWER400/230 Reaktoren weitergeplant wurde, welche bereits auch in Greifswald eingebaut und in einem Jahr in Betrieb gehen sollte. Fertigstellung sollte im Jahr 1981 sein. 1

Zunächst musste jedoch ein neuer Standort gefunden werden, da die Sicherheitszone größer ausgelegt werden musste, da die nun verwendete Art des Reaktors im Bezug auf Sicherheit nun deutliche Nachteile hatte. So fand man schließlich einen passenden Ort an der Elbe. Niedergörne, ein 120 Seelen Dorf war auserkoren, für das Bauvorhaben zu weichen. Die Nähe zu Stendal, gab dem Kraftwerk schließlich den noch fehlenden Namen. 1

So wurde am 1. Januar 1975 der VEB Kernkraftwerk Stendal gegründet. Die Einwohner von Niedergörne wurden in die Orte, Arneburg, Altenzaun und Osterburg umgesiedelt und entschädigt. Folgend wurde die Baustelle eingerichtet. Ebenso entstand in Stendal 14.000 neue Wohnungen für die Bauarbeiter und später für die Kraftwerksmitarbeiter. Auch wurde die Infrastruktur von Verkehr, Strom und Wasser zum Kraftwerk hergestellt bzw. ertüchtigt oder erweitert. Hinzu kamen eine neue Poliklinik, Schulen und Berufsausbildungseinrichtungen sowie ein Kulturzentrum, Gaststätten und Einkaufsmöglichkeiten. 1

1979 gab es eine weitreichende Änderung der Planung. Die Reaktorhavarie in Harrisburg initierte ein Umdenken beim Kraftwerksbau und so forcierte die UdSSR die Umplanung auf den neuen Reaktortyp WWER-1000/320 mit einem Volldruck-Containment und Kühlturmrückkühlung. Im Dezember 1979 wurden die Beschlüsse dazu gefasst. Durch die nun erforderlichen Änderungen, konnten die Projektierungsunterlagen für die ersten beiden Reaktoren erst 1982 übermittelt werden. 1

Der erste Spatenstich erfolgte jedoch schon am 5. November 1981 für den Block 1, die Grundplatte wurde im Oktorber 1982 fertiggestellt. Der Spatenstich des Block 2 folgte am 01. Dezember 1984. Das Reaktorgebäude 1 war ein Jahr später auf Erdniveau (Höhe 0) angekommen. Dessen Containment in Stahlzellenverbundbauweise war 1987 errichtet worden. Der erste Kühlturm wurde im Oktober 1988 fertiggestellt. Die Blöcke 3 und 4 wurden vorerst nicht gebaut. Fertigstellung von Block 1 sollte 1991 sein, die Inbetriebnahme im Regelbetrieb 1993. Zu dieser Zeit sollte Block 2 dann in den Probebetrieb gehen. Die beiden angebauten Blöcke sollten 1996 ans Netz gehen. Zwischenzeitlich arbeiteten 9.500 Menschen an dem Bauwerk. 1

Am 1. Juli 1990 wurde der VEB Kernkraftwerk Stendal zur KKW Stendal GmbH privatisiert und unter die Aufsicht der Treuhandanstalt gestellt. Der Block A war  zu 75 % und der Block B zu 50 % sowie die Nebenanlagen beider Blöcke zu 55 % fertiggestellt. Mit der Wende und den sich damit ändernden Gesetzen geriet der bereits stark verspätete Bau ins stocken und am 17. September 1990 vorläufig eingestellt. Obwohl das Kraftwerk Bestandsschutz gehabt hätte, wurde dennoch ein neues Genehmigungsverfahren gestartet. 1

Aufgrund der fehlenden Geschäfts- und Finanzierungsgrundlage wurde im März 1991 der Bau der beiden begonnenen Blöcke endgültig eingestellt. Auf dem Gelände sollte nun ein Kohlekraftwerk entstehen, welches ein Teil der Infrastruktur und die bereits vorhandenen Kühltürme hätte nutzen können. Durch Einwände wurde aber auch dieses Projekt nicht verwirklicht bzw. auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Zur Vorbereitung hatte es jedoch schon einige Beräumungs- und Abrissarbeiten gegeben, sodass nur noch das Generatorenhaus, das Sicherheitsgebäude, die beiden Reaktorblöcke und ein Mehrzweckgebäude und die Kühltürme vorhanden waren. Letztere wurden schließlich am 29. Oktober 1999 gesprengt. 1

Der Kraftwerksbereich wurde zum Gewerbegebiet erklärt. Und so siedelte sich 2004 eine große Zellstofffabrik an. Es folgte weitere andere Gewerbe. Das Kraftwerk wurde zum vollständigen Abriss freigegeben, welcher Stand 2016 noch andauert. 1

Kommentar

Eines der ersten Objekte aus der Anfangszeit. Nur mit einer Digitalknipse bewaffnet, konnte ich die letzten Reste des Kernkraftwerkes ablichten. Es war leider schon recht Dunkel und so war die Grenze des Machbaren bei der Knipse alsbald erricht. Dennoch habe ich mich immer wieder gern an dieses Objekt und den Markanten Block 1 zurück erinnert.

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