Hotel Geiger

Bischofswiesen OT Stanggaß, Deutschland

Beitragsbild

Beschreibung

Der pensionierte königlich bayerische Zollinspektor Hugo Geiger erwarb am 17. August 1865 im Ort Stanggaß mit den Hienleitlehen ein Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, welches er zu einer vornehmen Pension umbaute. Die große Nachfrage nach den Unterkünften mit Blick auf den Watzmann, führte schon 1874 zu einer Erweiterung des Hauses um einen zusätzlichen Flügel mit Gästezimmern an seiner südöstlichen Seite. 1

Nach dem Tod von Hugo Geiger übernahm seine Witwe die Leitung und ließ ab 1884 die zentralen Räume des Hotels repräsentativausgestalten. Unter ihrer Federführung wurde 1890 das Neue Logierhaus nordwestlich des Hotels an der Stelle des dort befindlichen alten Badehauses als zusätzliches Gästehaus errichtet. 1

Nach Ihrem Tod ging die Leitung des Hauses 1894 an den Sohn Franz Geiger und dessen Gattin Nina. Von ihm ist um 1900 das sogenannte „Feuerlösch-Requisiten-Lokal“ errichtet worden, welches jahrzehntelang als Feuerwehrgerätehaus der von ihm mitbegründeten Freiwilligen Feuerwehr des Ortes diente. 1924 folgte daneben die hoteleigene Tankstelle mit Waschhaus Im gleichen Jahr wurde das daran angrenzende  „Schneiderhäusel“, ein in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtetes Handwerkerhaus ausgebaut. An das Haupthaus wurde 1933 auf der Rückseite ein flacher Küchentrakt angefügt. 1

Während des Zweiten Weltkriegs diente das Hotel als Erholungsheim für Offiziere der Luftwaffe, nach Kriegsende wurde es vorübergehend von  der US-Armee als Offizierwohnheim genutzt. In dieser Zeit weilte auch der junge Offizier John F. Kennedy einmal im Haus Geiger. 1

1969 wurde auf der südlichen Fläche vor dem Restaurant ein Freibad mit eigener Umkleide und Saunahütte gebaut. 1972 erhielt das Hotel ein eigenes Hallenbad. Zudem wurde 1976 ein weiteres Bettenhaus mit zwei Etagen errichtet, das als letzte größere Baumaßnahme 1982 um ein weiteres Stockwerk erweitert worden ist. 1

Am 1. November 1997 musste der Hotelbetrieb nach 132 Jahren wegen Insolvenz geschlossen werden. Das Grundstück und Gebäude verblieben aber bis zum 4. Juli 2017 im Besitz der Familie Geiger. In den Jahren 1996 bis 1998 diente der Komplex als Kulisse für Kinofilme und verschiedener Fernsehserien. Danach wurden die Gebäude nicht mehr bewacht und dem Verfall preisgegeben“. Von mehreren Nachnutzungskonzepten konnte keines verwirklicht werden. 1

Anfang Mai 2016 wurde das Schneiderhäusl kontrolliert zum Einsturz gebracht. Das Landratsamt hatte in seiner Funktion als untere Denkmalschutzbehörde diesen Abbruch gefordert, nachdem bereits zuvor Sicherheitsmaßnahmen gegen abbröckelnde Gebäudeteile notwendig geworden waren. Am 20. Oktober 2016 brach im Erdgeschoss des 1976 errichteten Bettenhauses ein Feuer aus, welches die oberen zwei der drei Stockwerke des Gebäudes zerstörte. 1

Im Juli 2017 wurde das Anwesen zwangsversteigert, Höchstbietender war der Arzt und Politiker Bartl Wimmer aus Berchtesgaden. Im Januar 2018 begann der Abriss einzelner neuerer Gebäudeteile Im Januar 2019 wurde mit dem Abriss des letzten vorhandenen Gebäudeteils begonnen. Bis 2021 soll auf dem Grundstück ein „Fest- und Kulturgasthof Stanggaß“ mit Biergarten und einem Festsaal für bis zu 280 Personen entstehen. Geplant sind zudem 80 Betten in 22 Hotelzimmern. 1

Übersichtskarte

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Übersichtskarte Hotel Geiger
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Haupthaus

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Seitenflügel

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Neues Logierhaus „Dependance“

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Querhaus

Querhaus

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Bettenhaus

Modernes Bettenhaus

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Feuerwehrgerätehaus

„Feuerlösch-Requisiten-Lokal

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Beitragsbild

Tankstelle mit Waschhaus

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VorschauBild

Handwerkerhaus „Schneiderhäusel“

Kommentar

Es macht einen unfassbar traurig, dass diese Gebäude nun nicht mehr existieren. Der Ort muss einfach wundervoll gewesen sein. Abends auf dem Balkon sitzend mit einem Glas Wein, den Watzmann beobachten. Wahnsinn! Ich war froh, dass ich wenigstens noch ein Teil dieser Geschichte mitverfolgen durfte, bevor es für immer verschwand.

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