Heilanstalt Sonnenstein

Pirna, Deutschland

Labor

Beschreibung

Ernsz

Ernst Gottlob Pienitz 2

Im Jahr 1811 wurde in der früheren Burganlage und Festung auf dem Sonnenstein eine Anstalt für potentiell heilbare Geisteskranke eingerichtet. Direktor der Anstalt war Ernst Gottlob Pienitz. Ab 1855 bis einschließlich 1914 wurde die Anstalt mehrmals erweitert. 1922 wurde die staatliche Pflegeschule an den Standort verlegt. Die Einrichtung hatte nun bereits über 700 Patienten. 1

1928 wurde Hermann Paul Nitsche Direktor der Heilanstalt. Dieser setzte spätestens ab 1933 auf die systematische Ausgrenzung der chronisch psychisch Kranken und Behinderten. Auch befürwortete er die Rassenhygiene und die Euthanasie. So ließ er bereits Zwangsterilisierungen an den erbkranken Patienten vornehmen. 1

Luftbild

Die vier Gebäude der Tötungsanstalt 2

1939 wurde die Anstalt auf Anordnung des sächsischen Innenministers aufgelöst und diente als Reservelazarett und Umsiedlerlager. Im Rahmen der Aktion T4, wurden auf Geheiss der NSDAP sechs Tötungsanstalten im Deutschen Reich errichtet. Einer dieser Anstalten war ab 1940 in vier Gebäuden auf dem Sonnenstein untergebracht, welche mit einer Mauer oder Bretterzaun abgeschirmt war. Es wurde die Tötungsanstalt D welche vom Arzt Horst Schumann geleitet wurde. Hier sollten nun psychisch kranke und geistig behinderte Menschen aus psychiatrischen Einrichtungen, Alters- und Pflegeheimen und Krankenhäusern mit Gas ermordet werden. So wurde im Frühjahr 1940 im Keller des ehemaligen Anstaltsgebäudes, genauer Haus C 16, eine Gaskammer und ein Krematorium eingebaut. 1

Gaskammer

Die ehemalige Gaskammer 2

Am 28. Juni 1940 begann der Wahnsinn am Sonnenstein, denn die Vernichtungsanstalt nahm ihren Betrieb auf. Zehn Patienten fanden dem Tod, nachdem sie aus der Heil- und Pflegeanstalt Waldheim hierher verlegt wurde. Mehrmals wöchentlich wurden Patienten aus Heil- und Pflegeanstalten mit Bussen abgeholt und auf den Sonnenstein gebracht. Mehr als 100 Angestellte beteiligten sich am organisierten Mord. Sie waren Ärzte, Pfleger, Polizisten, Fahrer … Das „Standesamt Sonnenstein“ versandte den Hinterbliebenen eine Sterbeurkunde mit gefälschter Todesursache. 1

Die eingeäscherten Überreste der getöteten wurde auf der Anstaltsdeponie abgelagert oder nachts einfach hinter dem Haus den Elbhang hinuntergeschüttet. Ermordet wurden  Frauen und Männer aller Altersstufen und selbst Kinder. Sie kamen aus Sachsen, Thüringen, Schlesien, Ostpreußen, Westpreußen, dem Sudetengebiet und Teilen Bayerns. Im Sommer 1941 wurden zusätzlich mehr als tausend Häftlinge aus Konzentrationslagern im Rahmen der „Aktion 14f13“ auf den Sonnenstein gebracht, welche ebenso den Tod fanden. 1

Bis zum 24. August 1941, als Adolf Hitler wahrscheinlich aus innenpolitischen Gründen den sogenannten „Euthanasie-Stopp“ erließ, wurden  in Sonnenstein insgesamt

13.720

psychisch kranke und geistig behinderte Menschen ermordet. 1

Im Sommer 1942 wurde die Anstalt aufgelöst. Die Gaskammer und das Krematorium wurden abgebaut und die hinterlassenen Spuren sorgsam verwischt. Es wurde auf dem Gelände die „Adolf-Hitler-Schule Gau Sachsen“, die Reichsverwaltungsschule und ein Wehrmachtslazarett eingerichtet, welche bis 1945 existierten. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren hier bis 1949 ein Flüchtlingslager, ein Quarantänelager für entlassene Wehrmachtsangehörige, Teile des Landratsamts und 1054 eine Polizeischule untergebracht. 1

Im Dresdner Ärzteprozess vom Sommer 1947 wurden einige der an der Mordaktion Beteiligten zur Verantwortung gezogen. Das Dresdner Schwurgericht verurteilte Hermann Paul Nitsche sowie zwei Sonnensteiner Pfleger zum Tode. Drei von über 100 beteiligten. Danach verdrängte man die Ereignisse und sie gerieten in Vergessenheit. 1

Von 1954 bis 1991 wurde ein großer Teil des Geländes überwiegend betrieblich vom Strömungsmaschinenwerk zum Bau von Flugzeugturbinen genutzt. 1977 wurde das „Kreisrehabilitationszentrum Pirna“ eingerichtet. Zur Wende 1991 ging daraus die Werkstatt für behinderte Menschen der Arbeiterwohlfahrt hervor. 1

Nach der Wende entstand eine Bürgerinitiative zur Schaffung einer würdigen Gedenkstätte für die Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen auf dem Sonnenstein. Im Juni 1991 konstituierte sich das Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e. V.. 1

Nach archivalischen und bauarchäologischen Untersuchungen von 1992 bis 1994 wurden die Kellerräume des Hauses C 16 seit 1995 rekonstruiert und als Gedenkstätte hergerichtet. Die heutige ständige Ausstellung zur Dokumentation der Verbrechen befindet sich im Dachgeschoss desselben Gebäudes. Sie entstand im Auftrag der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft und wurde der Öffentlichkeit am 9. Juni 2000 übergeben. 1

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