Haidemühl (Gózdź)

Deutschland

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Beschreibung

Der Ort war ursprünglich ein Vorwerk des Ortes Gosda, welches erstmals 1548 urkundlich erwähnt wurde. Gosda ist Niedersorbisch und bedeutet sinnbildend: Trockener Wald. Haidemühl ergab sich wiederum im Bezug auf eine Mühle, welche 1823 erstmals erwähnt wurde. Sie gehörte dem Mühlenmeister Mullack. 1

Zwar bezog sich der Ort auf den Wald und die Mühle, jedoch war der Grund für die Entstehung die 1835 errichtete Glashütte, die Haidemühler Glashüttenwerke G.m.b.H. Diese wurde von Glasfabrikant Greiner errichtet, welcher die Fabrik und drei Wohngebäude für die Arbeiter errichten ließ. Der Ort erreichte dadurch seine Existenz. Friedrich August Kaennichen erwarb das Werk noch im selben Jahr. 1

Der Ort wuchs und 1900 folgte die Errichtung einer Brikettfabrik, die Brikettfabrik Werminghoff der Eintracht AG. Es folgte eine neue Wohnsiedlung mit fünf neuen Häusern, welche ebenso nach dem Direktor der Fabrik genannt waren: Werminghoff. Der Ort wurde weiter erschlossen. Es folgten neue Straßen mit Anbindung an Spremberg und Senftenberg, sowie Gleisanschluss. Die Glashütte wurde ebenso erweitert und es folgten weitere Wohnhäuser. Im Jahr 1929 entstand ein Schulgebäude. 1

Während der Jahre wechselten die Eigentümer. Einer von ihnen war Adolf Schiller, welcher 1934 sein Werk verkaufen musste, da er Jude war. Er starb 1943 im Ghetto Theresienstadt.  Käufer waren Rudolf Bricke und Reinhold Domaschke. Bricke verstarb 1938, sodass Domaschke nun alleiniger Besitzer war. Er wurde nach 1945 enteignet und die Hütte ging in den Volkseigenen Betrieb der Deutschen Demokratischen Repubik über (VEB Glaswerk Haidemühl). 1,2

Nach der Wende 1989/90 verlor Haidemühl seine Industrie: Das  Glaswerk wurde privatisiert und ging schließlich 1993 mit 1280 Mitarbeitern in Insolvenz und wurde geschlossen. Die Brikettfabrik mit 160 Beschäftigten gab ebenso den Betrieb zur Wende auf. Es herrschte Große Arbeitslosigkeit. Ein neuer Investor wollte noch eine Glasrecyclinganlage errichten. Jedoch wurde daraus nichts. Auf dem Gelände blieben Berge von Glasbruch zurück. Zudem ergab sich 1993 ein weiteres Problem: der Tagebau, welcher vormals die Industrie von Haidemühl gespeist hatte, forderte nun seinen Tribut. Am 30. Juni 2000 wurde von Gemeindevertretern und der Lausitzer Braunkohle AG der sogenannte Haidemühlvertrag unterzeichnet. Darin verpflichtete sich die Lausitzer Braunkohle AG (heute LEAG) gegenüber den Bürgern der Ortschaft Haidemühl, eine Umsiedlung zu Planen und in einer den Bedürfnissen der betroffenen Einwohner entsprechenden Weise durchzuführen. 1

Die Umsiedelung begann am 30. Juni 2003 bis zum 31. Demzember 2016, nachdem ein 90 Hektar für den neuen Ort hergerichtet worden war. Der neue Standort befindet sich östlich des Ortsteils Sellessen der Stadt Spremberg. Bereits während der Umsiedelung wurden ab 2004 die ersten Gebäude abgerissen. Dies betraf vor allem den näher zum Tagebau gelegenen Teil. Der Ort wurde am 1. Januar 2006 offiziell aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt waren drei Viertel der Einwohner bereits in das neue Haidemühl umgesiedelt. Proteste blieben nicht aus. In den Bildern findet man Zeitzeugen dazu. 1

Nach letzten Rechnungen soll der Tagebau den Ort Ende 2018 erreichen. Zu Hochzeiten lebten hier 1513 Menschen. – Die Mühle und das Glaswerk gibt es heute noch. 1

Kommentar

Die Besuche an diesem Ort können wir nicht mehr an einer Hand abzählen. Während die einen gelangweilt die Kamera weglegen, da alles ziemlich leer und kaputt ist, beginnen die anderen die Faszination aber auch die Traurigkeit um diesen Ort zu erleben. Nach unserem ersten Besuch stellten wir unseren Stromvertrag erstmal auf 100% Ökostrom um. Natürlich wird dies keine weiteren Devastationen aufhalten oder gar diesen Ort retten, aber das vermeintlich schlechte Gewissen wollte beruhigt werden. Warum Orte wie Haidemühl weichen müssen ist Menschen gemacht. Unser Durst nach Strom zum Beispiel: Wo früher ein Rechen in die Hand genommen wurde, muss es heute ein Laubbläser sein. Unser Handy und natürlich auch der Server auf dem diese Seite abgelegt ist, möchten gefüttert werden. Irgendwie hat heute alles eine Batterie, oder? Wir sind keine Ökos, aber nachdenklich und Verantwortlich macht einen das schon. Und was bekommen eigentlich unsere Kinder von unserem Land, wenn wir einmal abgetreten sind? Geraubte Bodenschätze, durchpflügte Landschaften und verpestete Luft. Einzig die neuen Erholungsgebiete die sich in den ehemaligen Braunkohleregionen bilden, sind ein Punkt zur Hoffnung. Aber irgendwie auch nur Disneyland, viel Fassade und nichts echtes mit Geschichte.

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1. Wikipedia  – 2. Befragung ehemaliger Einwohner (Offline)

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