Flugplatz Großenhain

Großenhain, Deutschland

Luftdeckung

Beschreibung

Nach der Umstrukturierung der Luftstreitkräfte im Jahre 1913 wurde eine eigene sächsische Einheit, die 3. Königlich-Sächsische Kompanie des 1. Königlich-Preußischen Flieger-Bataillons geschaffen, für die Großenhain als ein geeigneter Ort zum Aufbau einer eigenen Fliegerstation auf sächsischem Boden ausgewählt wurde. Unter dem damaligen Hauptmann und späteren Major Horst von Minckwitz, wurde der neue Flugplatz bis Anfang 1914 mit einer Kapazität von 60 Flugzeugen errichtet. Am 21. Februar 1914 fand die erste Landung statt. 1

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde Großenhainer Fliegerkompanie an die Westfront verlegt. Danach wurde die Flieger-Ersatz-Abteilung Nr. 6, kurz FEA 6, mit einer Fliegerschule gegründet. Teil der Ausbildung waren Kurse für Beobachter, Fliegerschützen, Bombenabwerfer und Luftbildfotografen. Unter den Schülern und teilweise auch späteren Lehrern findet sich ein Teil der erfolgreichsten deutschen Kampfflieger des Ersten Weltkrieges. Auch der berühmteste Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen, Der Rote Baron genannt, erhielt hier seine Beobachterausbildung. Insgesamt wurden bis 1918 in Großenhain rund 60.000 Mann ausgebildet. Ab dem 6. November 1918 begann die Novemberrevolution auch in der Garnisonsstadt Großenhain. Die Flieger bildeten zusammen mit den Großenhainer Husaren und auch vielen Arbeitern der Flugzeugwerft einen gemeinsamen Arbeiter- und Soldatenrat. Nach dem am 11. November 1918 begonnenen Waffenstillstand und dem am 28. Juni 1919 geschlossenen Vertrag von Versailles, wurden eigene Luftstreitkräfte innerhalb des Deutschen Reiches verboten. Die neue verkleinerte Artillerie-Flieger-Staffel Großenhain war eine der wenigen deutschen Militärfliegereinheiten, deren Erhaltung dennoch versucht wurde, allerdings erfolglos. Am 20. Mai 1920 wurde der Platz offiziell aufgelöst. Im Folgenden wurden die meisten Gebäude demontiert. 1

Ab 1925 erfolgte zögerlich eine erneute Nutzung, zunächst als Notlandeplatz. Die Akaflug Dresden nutzte das Areal zu Beginn der 1930er Jahre. 1934 begann dann der zunächst getarnt durchgeführte Wiederaufbau zum Fliegerhorst der Luftwaffe. Ab 1. März 1935 übernahm die Abteilung B der Fliegerschule des Deutschen Luftsportverbandes Celle-Wietzenbruch den Fliegerhorst und nahm umgehend die Ausbildung von Militärpiloten auf. Am 1. März 1936 erfolgte die Umbenennung der Einheit in Aufklärungsgruppe 23 und am 1. November 1938 erhielt sie die endgültige Bezeichnung Aufklärungsgeschwader 11. Nach Verlegung der meisten Geschwaderstaffeln kurz nach Kriegsbeginn wurde am 26. August 1939 die Aufklärungsfliegerschule 1 aufgestellt. Diese wurde am 15. Februar 1943 als I. Gruppe in das Fernaufklärungsgeschwader 101 eingegliedert und blieb bis zum Februar 1945 Hauptnutzer des Fliegerhorsts. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden ab Juli 1944 auch verschiedene Schlacht-, Zerstörer- und Jagdgeschwader in Großenhain stationiert, die von hier aus auch Einsätze gegen die Rote Armee flogen. 1

Nach Kriegsende bauten die sowjetischen Luftstreitkräfte unter Einbeziehung der vorhandenen Infrastruktur Großenhain zur Fliegerbasis aus, unter anderem durch Verlängerung der Start- und Landebahn. Von 1951 bis 1993 war der Stab der 105. Fliegerdivision der Sowjetischen Streitkräfte in Großenhain stationiert sowie bis 1989 das 497. Fliegerregiment als Teil der Division. Auch andere Einheiten der 16. Luftarmee nutzten den Platz. Auf dem Militärflugplatzgelände entstand ein Sonderwaffenlager, in dem Kernwaffen gelagert wurden. Großenhain war ab Herbst 1971 einer der Verteilungspunkte der sowjetischen Truppen in der DDR, weswegen er auch regelmäßig von Flugzeugen der Aeroflot angeflogen wurde. Am 22. März 1993 starteten letztmals russische Kampfflugzeuge, im August fanden die letzten Starts von Transportflugzeugen Richtung Russland statt. 1

Nach dem Ende der DDR 1990 und dem danach beginnenden Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Deutschland, begann die Umwandlung des Flugplatzes zur zivilen Nutzung. Ab Mai 1993 begannen ersten Flugaktivitäten. Am 23. September 1993 übernahm das Bundesvermögensamt das Gelände, welches in Folge Eigentum des Freistaates Sachsen wurde und bis heute verpacktet wird. Erst entstand die die Flugplatz Großenhain GmbH, dann die Nachfolgegesellschaft Kilianair GmbH und später die Sachsenflug GmbH. Diese unterhielten neben dem Flugplatz ein Luftfahrtunternehmen und eine Flugschule. Später beschränkten sie das Geschäft auf den reinen Flugplatzbetrieb und den Verkauf von Gutscheinen für Rundflüge in Sachsen, die sie mit geeigneten Partnern realisierten. Aufgrund von Schäden durch einen Tornado in Großenhain hat die derzeitige Sachsenflug GmbH am 30. Juni 2010 Insolvenz angemeldet. Nach zusätzlichen Wärmeschäden an den Rollbahnen wurde der Flugplatz vorübergehend geschlossen. Für die Zukunft strebt die Flugplatz Großenhain UG an, den Flugplatzbetrieb zu übernehmen und insgesamt die Attraktivität des Flugplatzes Großenhain zu erhöhen. Die Betriebsgenehmigung für den Flugplatz Großenhain wurde am 22. November 2010 von der Landesluftfahrtbehörde an die Flugplatz Großenhain UG übertragen, nach einer Abnahmeprüfung am 10. Dezember 2010 wurde der Flugbetrieb vorerst auf der Grasbahn, seit April 2011 auf beiden Bahnen wieder aufgenommen. Südlich der Grasbahn ist ein großzügiges Segelfluggelände in Betrieb. 1

Kommentar

Nur mit einem iPhone (4) bewaffnet, ging es spontan zu diesem Ort mit Geschichte. Gut das der Flugplatz auch heute noch lebt, bzw. wiederbelebt werden konnte. Ich freue mich auf deine  Kommentare zum Thema.

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