Abfertigung & Tower – Flughafen Leipzig-Mockau (ETLM), DE

Beschreibung

Der erste zivile Flughafen von Leipzig im Ortsteil Mockau wurde 1913 als Luftschiffhafen und Fliegerstation errichtet. Im den beiden Weltkriegen befanden sich zudem Produktionsanlagen für die Flugzeug-Rüstungsindustrie. Ab 1938 bis 1944 bestand hier auch eine Fliegerwaffenschule der Luftwaffe. Bis zu seiner Stilllegung 1991 wurde der Mockauer Flughafen genutzt. Er wurde durch den neuen Flughafen in Schkeuditz vollständig ersetzt, nachdem dieser schon 1926 in Konkurrenz getreten war. 1

Die Geschichte des Abfertigungsgebäudes beginnt jedoch erst 1929, als dass neue Verwaltungsgebäude der Leipziger Luftschiffhafen- und Flugplatz-Aktiengesellschaft (LEFAG) unter Leitung des Architekten Georg Wünschmann errichtet wurde. Doch das Verwaltungsgebäude sah Anfang ganz anders aus, so war ein zur derzeit typischer roter Klinkerbau mit damals noch zwei Etagen, an dessen Außenseiten sich gläserne Treppenhäuser befanden (siehe Bildmontage unten). Im Erdgeschoss des Baus befanden sich neben der Abfertigungshalle noch Büros der Fluggesellschaften, die Flughafenverwaltung sowie die Dienststelle der Luftpolizei. Auf dem Dach befand sich eine mehrstufige Terrasse. Ab 1928 war das Verwaltungsgebäude auch Stützpunkt der Junkers-Luftbildzentrale, dies jedoch nur für vier Jahre. Der Flugplatz wurde vor allem für den Messeflugverkehr genutzt. 1

Bei den Luftangriffen auf Leipzig wurde Flughafen durch seine wieder entstandenen Rüstungsbetriebe Opfer der Bomben. Gingen die vorher ausgeführte Angriffe noch relativ glimpflich aus, trafen die letzten Angriffe um 1944 das Gelände jedoch schwer. Die Werften und auch das Abfertigungsgebäude wurden stark getroffen. Die Luftwaffe ordnete im April 1945 die Sprengung der weitgehend verschont gebliebenen Start- und Landebahn an. Die Betonflächen wurden schon vermint, die Sprengung jedoch nicht mehr ausgeführt. Der Flughafen wurde am 19. April 1945 von amerikanischen Truppen eingenommen, jedoch Anfang Juli 1945 an die Rote Armee übergeben. Diese nutzte das Gelände noch für wenige Monate. 1

Die Sowjetische Militäradministration ließt die Verminung der Start- und Landebahn entfernen und begann dann mit dem Abbau der Rüstungsbetriebe. Die Industrieanlagen von Erla, ATG und Junkers wurden in die Sowjetunion gebracht. Der Abbau dauerte bis 1948, selbst der Stahl der Hallen wurde abtransportiert und die Rollbahn zum Abschluss gesprengt. 1949 wurde das Gelände dann beräumt, nur wenige Bauten blieben übrig. Doch die Geschichte endete noch nicht. 1

Das Messeamt stellte einen Antrag zur Wiederaufnahme des Flugverkehrs und zur Reaktivierung des Flughafens, um Flugzeuge von Messe-Käufern das landen ermöglichen zu können. Dem Antrag wurde zugestimmt, mit der Aufgabe, die Vorbereitungen bis zum 20. August 1949 abzuschließen. Am 29. August 1949 landete dass erste Flugzeug wieder in Leipzig-Mockau, pünktlich zur Leipziger Herbstmesse. Die Abfertigung fand jedoch noch im einem verbliebenen Bau des früheren Flughafen-Hotels statt, da der Flugbetrieb bisher nur zu Sonderzwecken, wie der Messe, erlaubt war. 1

Nach der Gründung der DDR wurde der Platz am  3. Februar 1950 an diese übergeben. Bereits 1951 folgte der reguläre Messe-Flugbetrieb. Das Abfertigungsgebäude provisorisch instand gesetzt und wieder als solches genutzt. 1

Im Jahr 1955 wurde das ehemalige Verwaltungsgebäude umgebaut und erhielt seine heutige Gestaltung. Die Klinkerfassade wurde verputzt und die gläsernen Treppenhäuser (welche kaum noch existent waren) wurden durch normale, betonierte Treppenhäuser ersetzt. Die Terrasse auf dem Dach wurde durch ein drittes Stockwerk für die Flugsicherung ersetzt, auf welchen sich wiederum im vierten Stock der rundum verglaste Flugverkehrskontrollraum der befand. Das Gebäude beherbergte nun neben der Schalterhalle einen Transitraum sowie die Zoll- und Gepäckabfertigung. Die Maßnahmen wurde 1957 abgeschlossen und der Flughafen wurde nun sogar als ständiger Inlandsflughafen mit Strecken z.B. nach Berlin-Schönefeld oder Erfurt genutzt. Im März 1963 gab er diese Funktion jedoch an den wieder hergerichteten Flughafen bei Schkeuditz ab, da die Landebahnen trotz Verlängerung immer noch zu kurz für modernere Flugzeuge war. Er wurde fortan als Agrarflughafen genutzt, der letzte Linienflugzeug in Mockau am war jedoch erst am 6. März 1972. Der Flughafen firmierte nun als „Interflug – Betrieb Agrarflug Leipzig„. Während der Leipziger Messe wurde das Gebäude als „Meldestelle Leipzig-Mockau“ für die Anmeldung von westdeutschen Messegästen genutzt, welche mit dem Auto anreisten. 1

Nach der Wende wurde am 18. August 1990 die Zulassung des Flughafens als Internationaler Verkehrslandeplatz für die Abfertigung und Wartung von Geschäfts- und Sportflugzeugen sowie Flugzeugen mit bis zu 40 Passagieren erteilt. Bereits am 31. Mai 1991 wurde der Flughafen jedoch gesperrt, da eine andere Nutzung durch die Stadt Leipzig geplant wurde. Ausnahmegenehmigungen gab dennoch bis Ende des Herbstes 1991. 1

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Flughafen ein Gewerbegebiet sowie Teile der neuen Leipziger Messe. Das Abfertigungsgebäude und ein Fliegerheim von 1913 blieben erhalten, wurden jedoch nicht weiter genutzt. 1

Bildmontage – Verwendete Vektorgrafik von Lumu auf Wikiepdia (Externe Links).

Kommentar

Ein schönes Gebäude, welches man zwischen Versandhäusern und der Messe so nicht erwartet. Nur mit Blick auf Luftbilder, kann man die ehemalige Landebahn dahinter noch erkennen.

Zum Zeitpunkt des Besuchs (2013) fand Bauaktivität am Gebäude statt. Aktuelle Luftbilder zeigen jedoch keinen konkreten Fortschritt (2020). Wie ich jedoch das Fliegerheim, welche fast daneben steht, übersehen konnte, ist mir heute noch ein Rätsel. Da muss ich dann wohl noch mal hin. Vielleicht hat sich ja mehr getan als gedacht.

Galerie

Quellen

Bearbeitung

04.08.2013

02.02.2021

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