Festung Swinemünde: Werk I (I), Fort Gerhard (II), Engelsburg (III) und Redoute (IV)

Swinemünde (Świnoujście), Polen

Beschreibung

Im Jahr 1848 erfolgte der Befehl zum Bau von Befestigungsanlagen zum Schutz der Mündung des Flusses Swine. Von 1852 bis 1857 war Franz von Kleist Festungsbaudirektor, der die Anlagen nach der neupreußischen Stil gestaltete. 1

Zuerst wurde das Werk I auf der Ostseite errichtet (von der See aus gesehen Links). Im selben Zeitraum begann man mit dem Bau der „Engelsburg“ welche sich am Ufer gegenüber befindet und später das Werk III darstellte. Die Anlagen wurden bis 1858 Zug um Zug errichtet. Als erstes wurden die Gebäude, von einer Kompanie des 2. Jägerbataillons bezogen, welches als ständige Besetzung erforderlich wurde. Ab 1860 wurde die Aufgabe vom Bataillon des 2. Grenadier-Regiments bis 1864 übernommen. 1863 wurde Swinemünde zur selbständigen Festung 3. Klasse erklärt. Die schnell fortschreitende Entwicklung von Geschützen eine erneute Modernisierung der Geschützstellungen und der gesamten Anlagen notwendig. Von etwa 1870 bis 1880 wurden sie modernisiert. 1

Im folgenden die Geschichte der einzelnen Werke, welche als Ganzes die Festung Swinemünde darstellten.  1


Werk I (Mitte). Digital vergrößert. Quelle: Wikipedia (Externer Link)

Werk I:

Errichtet wurde das Werk I in Form eines Halbkreises und bestand hinter den Wällen und Gräben aus einer Geschützstellung zur Sicherung der Einfahrt in die Mündung der Swine. Diese Geschützstellung war ein zwei- bis dreigeschossiges Backsteingebäude. Weiterhin gab es ein Trapezförmiges Gebäude mit Geschütztraversen und Kasematten für die Mannschaften, Munition und Material. Die Kasematten erstreckten sind unter dem gesamten Komplex bis unter die Wälle und wurden von den Wassergräben begrenzt. 1

Das Werk I wurde gegen 1970 abgerissen, da es der Hafenerweiterung Swinemündes weichen musste. 1


Werk II: Fort Gerhard.

Werk II:

Bereits seit 1848 liefen die Planung für den Bau eines weiteren Werks mit der Nr. 3, welches auch Fort Gerhard genannt wurde. Ausgelegt war dieses fpr den Kreisbeschuss, wurde jedoch in Richtung Swine verstärkt. Aufgabe war wie das Werk I, der Schutz der Swine-Mündung, zur See aber auch bei Anlandungen. Der Aufbau war ähnlich durch Backsteinbauten und Kasematten angelegt, welche sich ebenso innerhalb der Wassergräben um das Werkes ausdehnten. Die Grundform war derer eines Fünfecks. 1

Bereits 1877 wurde das Werk II bzw. Fort „Gerhard“  ausgebaut und es enstanden große Munitionsbunker, weitere Kasernenbauten mit Stabsgebäude. Ebenso wurden die Geschützstellungen modernisiert. 1

Als im Laufe des Zweiten Weltkrieges  eine Seeanlandung recht unwahrscheinlich wurde, wurde die Festungsartillerie zu Gunsten des Atlantikwalles ausgedünnt. 1


Tafel vor Ort. Bearbeitet.

Werk III:

Das Werk III, oder auch die „Engelsburg“, wurde gemeinsam mit dem Werk I errichtet und diente dem Schutz der Stadt Swinemünde und des Hinterlandes. Es  erhielt die Form eines Fünfecks, welches wiederum aus Gräben und Wällen bestand die mit Geschützstellungen ausstaffiert waren. Im Zentrum findet sich ein mehrstöckiges rundes Backsteingebäude. Die Ähnlichkeit zur Engelsburg in Rom war gegeben. Im Obergeschoss war ein Beobachtungs- und Befehlsstand eingerichtet. In der Tiefe befanden sich wieder Kasematten für Mannschaft und Munition, wie es auch schon in den anderen Werken der Fall gewesen war. 1

Zum Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Turm ein Radargerät aufgestockt. 1


Tafel vor Ort. Bearbeitet.

Werk IV:

Das letzte Werk der Festung Swinemünde war das Werk IV bzw.  „Redoute“. Baubeginn der Küstenbatterie war 1856 und dauerte bis 1861. Ebenso war dieses Werk von einem Wassergraben und Wällen umgeben. Die Form war jedoch eher rundlich im Westen und gewohnt eckig im Westen gehalten. Im Inneren gab es wieder große Kasematten. Die Wälle waren mit Geschützen versehen, welche Richtung See zeigten. 1863 wurde das Werk erweitert und nannte sich seit dem „Batterie A“. Mit der Erweiterung wurde ein sogenannter Riegelbau geschaffen. Dies war ein Wall, westseitig von Werk IV zum Werk III der Engelsburg. Vorgelagert war diesem wieder ein Wassergraben. Hinter dem Wall waren erneut Kasematten angelegt worden. Im Riegel war ein Übergang vorgesehen, an dem sich eine Zugbrücke befand, welche heute noch vorhanden ist. 1878 bis 1887 wurde die Redoute das Werk umfassend modernisiert. Der gesamte Nordwall wurde mit großen, gut ausgebauten Kasematten unterbunkert. Es entstand ein gedeckter Alarmhof. Das Werk erhielt den Namen „Westbatterie“. Es enthielt unter anderem 4 Kanonen von Krupp (21cm Pj). 1919 erfolgte die Ergänzung um zwei Flakbatterien (8,8cm Pj). 1

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Bauten blieben überwiegend unverändert, die Artillerie wurde jedoch grundlegend geändert. Weit reichende Artillerie Richtung See und die Fliegerabwehr waren wesentliche Neuerungen. So wurden 1935 vier neue Geschütze eingebaut (14cm Pj). Der Komplex wurde ab 1939 nun Batterie „Henningsen“ genannt. 1941 entstand ein Betonturm als Beobachtungs- und Befehlsstand. 1942 wurde die Geschütze erneut ersetzt. Insgesamt waren 5 Geschütze, eine Zwillings- und eine Vierlingsflak (37mm-/20mm Pj) nun im Werk eingebaut. 1

Von 1946–1961 wurde das Werk zur 485. Sowjetküstenbatterie. 1


Als im Laufe des Zweiten Weltkrieges  eine Seeanlandung recht unwahrscheinlich wurde, wurde die Festungsartillerie der Werke zu Gunsten des Atlantikwalles ausgedünnt. Gegen Ende wurde die Stadt bombardiert, da sich hier ein bedeutender Stützpunkt der deutschen Marine befand. Die Luftabwehr der Festung war zwar immer noch stark, konnte wegen der fehlenden Unterstützung durch die Luftwaffe nicht viel ausrichten. Die Hlfte der Stadt, lag nach den Luftangriffen in Schutt und Asche. Die Befestigungsanlagen fast nicht beschädigt. Erst der Baumaterialmangel in den 1960er Jahren brachte ihrem Mauerwerk größeren Schaden. 1

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte die Rote Armee Swinemünde. Sie machte den gesamten Hafen, den Kurpark und die Festungsanlagen bis 1961 zum Sperrgebiet. Das Werk III, Teile des Kriegshafens und die Kasernen im Westrand der Stadt Swinemünde, nun Świnoujście genannt, waren noch bis 1992 durch die Sowjetarmee besetzt. 1

Hm 6. Oktober 1945 erfolgte dann von den inzwischen neugebildeten deutschen Behörden die offizielle Übergabe der Stadt an die polnische Verwaltung. Die Ausweisung der noch in der Stadt verbliebenen oder nach Kriegsende zurückgekehrten deutschen Bevölkerung setzte ein. Bis 1957 war die Stadt in einen sowjetischen und einen polnischen Bezirk aufgeteilt, in den die polnische Bevölkerung nur zögernd einwanderte. Die letzten sowjetischen Flotteneinheiten und ihre Dienststellen zogen Ende 1992 endgültig ab und Polen konnte über das ganze Stadtgebiet verfügen. Die Festungsanlagen verfielen daraufhin vorerst, während das Werk I bereits 1970 einem Hafenneubau weichen musste. Erst nach der Jahrtausendwende rückten die übrig gebliebenen drei Werke in neueres Interesse und wurden für den Touristenverkehr wiederhergestellt, um Museen und Ausstellungsstücke erweitert. 1

Kommentar

Das alle drei Objekte zusammengehörten, habe ich erst bei der Recherche nach den Orten erfahren. Ich finde es gut, dass die Orte der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht wurden. Dabei wurde zumeist mit Liebe zum Detail gearbeitet. So sitzt im Werk IV noch Funker in Wehrmachtsuniform im Bunker und es kommen laufend Funkaufnahmen vom Band herein. Im Werk II wird man direkt militärisch gegrüßt. In allen Objekten kann man so lang verweilen wie man will, Führungen nur, wenn man es möchte. Das kann ich nur empfehlen. Nur das Werk III, die Engelsburg macht mir keine Freude. Zum Tag als ich erstmals hin wollte, war geschlossen, am nächsten Überfüllt. Auch wurden zu viele Änderungen und sinnlose Schilder angebracht, die den Eindruck trübten… so blieb es bei nur einem Bild. Ggf. hole ich das mal nach. Durch die Wälder bei Swinemünde zu streifen kann ich nur empfehlen, man findet noch genügend weitere sehenswerte Orte. Wäre das auch ein Ort für dich? Ich freue mich auf deine  Kommentare zum Thema.

Es gibt diesmal drei Galerien, um die Objekte besser zu trennen.

Galerie