Augustusbad Bad im Tannengrunde

Liegau-Augustusbad, Deutschland

Beschreibung

Augustusbad um 1910 1

Als der damalige Radeberger Bürgermeister Christoph Seydel auf der Suche nach Baumaterial war, da seine Stadt nach einem Brand schwer zerstört wurde, erinnerte er sich an eine Stillgelegte Mine aus dem 16. Jahrhundert, nahe des Ortes. Er sicherte sich die Genehmigung, den Stollen wieder zu eröffnen. Doch im Stollen fanden sich nicht die gewünschten Materialien, jedoch ungewöhnlich viel Wasser. Der Grund war schnell ausgemacht, im Stollen befand sich eine Quelle. Durch diese Stieg ein Wasser empor, welches von ganz besonderer Qualität sein sollte. So enthielt es Kohlensäure und einen hohen Mineralgehalt. Seydel begann, dass Wasser abzufüllen und zu vermarkten. 1

So öffnete 1719 das „Bad im Tannengrunde“ an der Stollenquelle. Seydel erbaute dazu eine Vorrichtung, die das Wasser unterirdisch transportierte und bereits währenddessen erwärmte und wohltemperiert in einen Becken lief. Ein Jahr später, folgte das erste Badehaus und kurz darauf 1721 weitere Wohn- und Zweckgebäude. Das Bad bekam den Namen „Radeberger Bad“. 1

Die Bekanntheit stieg und auch der Sächsische Kurfürt „August der Starke“, liess sich das Wasser liefern. Aus diesem Grunde, erhielt das Heilbad ab 1724 seinen Namen, den es bis heute Trägt: „Augustusbad“ (die Quelle wurde schon etwas voher „Augustusbrunnen“ genannt). Neben dem Kurfürsten, waren bald auch andere Persönlichkeiten wie Carl Gustav Carus, Casper David Friedrich oder Theodor Körner zu Gast. Generell wurde das Bad und seine Heilkräfte so beliebt, dass die umliegenden Dörfer zu beliebten Übernachtungsorten wurden. Teilweise wurde auch der ganze Sommer am und im Bad verbracht. 1

Bürgermeister Seydel, welcher mittlerweile auch Eigentümer des Bades und dessen Grund geworden war, starb 1747. Er vermachte das Bad seinem Sohn Johann Christoph, welcher es bis 1759 weiterführte, bis er schließlich ebenso verstarb. Seine Witwe hatte wenig Interesse an den Geschäften des Bades, weshalb es 1765 zwangsversteigert wurde. Da bad, welches für Ortsansässige vormals kostenfrei zu nutzen war, wurde kommerzialisiert diese Regelung wurde abgeschafft. Hier verliert sich die Spur bis 1864. 1

Im Jahr 1864 wurde Benjamin Siegel Besitzer des Bads. Es folgten umfangreiche Sanierungen des Kurbades. Es wurde auch umfassend erweitert. So entstanden meherer Häuser, u.A. für Verwaltung und Unterkünfte. Zudem entstand ein Restaurant, neue Badegebäude und das Palaus-Hotel. Auch wurde ein Schwanenteich in der mittlerweile parkähnlichen Anlage angelegt. Neben dem Areal entstand der Gutshof Luisenhof. Während der Arbeiten wurden 5 weitere Quellen entdeckt, welche sogleich eingebunden wurden. Zuletzt werden im Bad vier Badehäuser mit 40 Badestuben, darunter ein Moorbadehaus, ein Kurhaus und ein Hotel sein, sowie 13 große Logierhäuser. 1

Der Pfarrer Hugo Woldemar Hickmann besuchte 1872 dass Bad um sich zu erholen. Dort kam ihm die Idee zur Einrichtung einer Erholungsstätte für Kinder. Gemeinsam mit der Inneren Mission (jetzt Diakonie), gestaltete er ein Logierhaus, das sogenannte Berghaus für diesen Zweck um. Am 1. Juli 1875 war dann soweit und der sogenannte Bethlehemstift wurde das erste Kindererholungsheim Deutschlands. Die Unterbringung und Behandlung war zudem kostenfrei. 1

1896 erwarb Willmar Schwabe das Augustusbad. Der gelernte Apotheker und Mitbegründer der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Leipzig stellte das Bad nun vorrangig den Mitgliedern zur Verfügung. Allerdings gründete er 1904 die Dr. Willmar Schwabesche Heimstätten-Stiftung, welcher er auch das Bad übereignete. Durch die Zusammenarbeit der Stiftung mit der AOK, florierte das Bad weiter und wurde nochmals in der Kapazität und Personal erweitert. Auch der Bethlehemstift wurde weitergeführt und sogar erweitert. So wurde der Luisenhof zusätzlich angemietet. So konnten bis zu 350 Kinder aufgenommen werden. Im Jahr 1926 erfolgte eine Umgestaltung der Einrichtung als Kurzentrum für herzkranke Kinder und deren ärztliche Betreuer. Das Bethlehemstift  wurde 1945 geschlossen. 1

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird das Bad von der Roten Armee besetzt, welche es dann 1952 an die Volkspolizei der DDR übergibt. Diese macht aus dem Bad eine Ausbildungsstätte für Offiziere im Fernmeldedienst. Die entstandene Nachrichtenschule wird 1953 der Kasernierten Volkspolizei unterstellt welche 1956 zur Nationalen Volksarmee umbenannt wurde. Es wurden Fahrzeughallen errichtet sowie ein kleinerer Luftschutzbunker. Es wurden nun Unterführer und Unteroffiziere am Standort ausgebildet. Der benachbarte Luisenhof, welcher als Teil des Bethlehemstifts, welcher 1945 angemietet worden war, wurde nun zum Feierabendheim umstrukturiert. Hier war Platz für bis zu 70 ältere Menschen. 1

Zur Wende 1989 wurde die Liegenschaft des Bades und das Ferienheim aufgelöst. Die Dr. Willmar Schwabesche Heimstätten-Stiftung wurde 1992 neu gegründet welche dann das Augustusbad zurückübereignet bekam. Es gab umfangreiche Pläne zur Sanierung des Bades, welches wieder seiner ursprünglichen Aufgabe gewidmet werden sollte. Doch die geplante Anlage als Kurklinik, welche 56 Millionen Deutsche Mark (ca. 28 Millionen Euro) gekostet hätte, konnte trotz Genehmigung und fertiger Baupläne nicht errichtet werden. Die Gesundheitsreform von 1996 forderte die Streichung des Projekts, da sich kein Investor fand. Seit dem stehen die Gebäude leer. Der Luisenhof wurde 2005 verkauft und wird seitdem als Reiter- und Pferdehof genutzt und ist mittlerweile ein zertifizierter Biohof. 1

Der weitere Verlauf gestaltete sich schwierig. Die Heimstättenstiftung, immer noch als Besitzer des Bades hinterlegt, besteht auf die weitere Nutzung zu Medizinischen oder Forschungszwecken, bei zukünftigen Projekten des Bades. 2006 präsentierte der Heimatverein des Ortes umfangreiche Pläne, das Bad zur Präventionsklinik für Diabetespatienten zu wandeln. Aich eine Elite-Grundschule oder ein Botanischer Garten waren im Gespräch. Leider fand sich zu keiner der guten Ideen ein Investor. Auch die Idee, das Gelände zur Landesgartenschau 2019 wieder herzurichten, verblieben folgenlos. 1

 Update 10. Januar 2021: Neue Außenaufnahmen hinzugefügt. Das Kur-Hotel ist in der Mitte nun komplett zusammengebrochen. Aufnahmen der Garagen aus KVP-Zeiten hinzugefügt. Scheinbar gab es auch zwei gebunkerte Garagen, welche wir heute noch entdeckt hatten.

Kommentar

Eine Wechselvolle wie aber auch eine großteils erfolgreiche Geschichte beschreiben das Augustusbad. Als ich es besuchte, war mir die Geschichte noch unbekannt. Ich werde wohl noch einmal zurückkehren müssen, um die nun bekannten Details der Häuser und Quellen besser abzulichten bzw. intensiv danach zu suchen. Es wäre schön, wenn neben den ganzen Spaßbädern auch wieder ein ein klassisches Heilbad öffnen könnte. Vielleicht sogar absichtlich im alten Stil, ohne viel Glas und Plastik. Wäre das schön. Das Waldbad im Zschonergrund Dresden hat gezeigt, dass dies möglich ist und sehr gern angenommen wird. Wenngleich der Maßstab deutlich kleiner ist.

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